Vor einer Weile meinte mein Mitbewohner zu mir, ich müsse mehr Abenteuer erleben. Ich mochte den Gedanken, habe ja auch schon über ihn geschrieben. Und erst dann ist mir bewusst geworden, dass die Scheuklappen um meine Augen sich in den letzten Wochen wieder verengt hatten, meine Comfort-Zone wieder geschrumpft war. Die böse, alte Comfort-Zone…

Abenteuerlust und Comfort Zone vertragen sich eher schlecht

(Fast) unabhängig von diesem Gespräch wurde tatsächlich eine größere Abenteuerlust in mir geweckt. Pünktlich zu dem Zeitpunkt an dem in Berlin verlassen und die kleine Seifenblase meiner Uni am Bodensee wieder betreten habe. Das nenne ich mal Timing! Egal – für WG Parties braucht man streng genommen ja keine großen Städte, Clubs oder Menschenmassen. Hier reicht eine eskalationsbereite WG, eine Küche, in der sich Leute tummeln können, diverse bewusstseinsbeeinflussende Mittel, meist Alkohol, (abhängig von Menschen, Vorlieben und Stimmung) und eine kleinere Masse an Leuten, die bestenfalls noch einige Fremdlinge mitbringt, die die allgemeine Neugier wecken. Aber was erzähle ich euch.

Für mich sind solche Parties so schön, weil es wie ein kleines Kinderparadies für nicht-Kinder ist: Wenn ich mich unterhalten will, gibt es Ecken (meistens die Küche) in denen es nicht zu laut ist. Wenn man tanzen will, gibt es entweder Platz dafür oder eben nicht – dann dreht man einfach die Musik auf und sich selbst zur Musik im Raum. Man kann trinken oder nüchtern bleiben, sitzen oder stehen, bleiben oder gehen, mittendrin sein oder sich mit Beobachtungen amüsieren. Oft bin ich der über drei Ecken mitgebrachte Fremdling. Wunderbar: so viele frische Menschen, mit frischen Gedanken und frischen Geschichten, die sie mit Freuden preisgeben, da der Alkohol ihnen frischen Mut und frische Energie geschenkt hat. That’s where the magic happens. So dauerte es dauerte bei der letzen Party nicht lange und ich war mit einem dieser frischen Fremden in ein Gespräch verwickelt. Und tatsächlich schaffte er es, eine frische Frage in mir aufzuwerfen: Schaden wir mit unseren Comfort Zones nur uns selbst, oder auch anderen?

Die Comfort Zone ist ein Ort, der mich immer wieder tangiert, einholt und dessen Magie mich schon seit Jahren immer wieder fasziniert. Was macht dieser Ort mit uns?

Die Comfort Zone ist der Ort – physisch wie auch psychisch – an dem wir uns wohl und sicher fühlen. Dinge, die man noch nie zuvor gemacht hat, Orte, an denen man noch nie war und Menschen mit denen wir noch nie zuvor etwas zu tun hatten, liegen meistens außerhalb. Und nicht nur Dinge, Menschen und Orte, die uns neu sind, sondern auch solche, mit denen wir lange nicht in Berührung waren und/oder schlechte Erfahrungen gemacht haben rutschen schnell in den Bereich außerhalb der Comfort Zone.

Das hat sogar biologische Gründe: Das limbische System in unserem Hirn ist die Region, die für unser Überleben sorgen muss. Es versucht, uns vor potentiellen Gefahren zu schützen. Potentielle Gefahren sind alle Dinge, die außerhalb unserer Comfort Zone liegen, Veränderungen und neue Dinge. Wir sind zwar streng genommen frei, alles zu tun, was wir wollen, praktisch grenzt uns unsere Comfort Zone aber ziemlich ein. Denn es kostet uns Überwindung, sie zu verlassen. Jedes mal. Doch es ist wichtig, denn nur außerhalb unserer Comfort Zone können wir über uns hinaus wachsen und zu stärkeren Menschen werden. Hier erleben wir Abenteuer, hier spielt sich das Leben ab. Und andersrum wird unsere Comfort Zone immer kleiner, wenn wir uns in ihr verkriechen.

Wie raus aus der Bequemlichkeit?

Jetzt habe ich lang und breit ausgeschlachtet, warum wir unseren Arsch hoch und den Fuß vor die Tür bekommen sollten. Die Frage ist nur: wie? Ich für meinen Teil habe mir das Wort „courage“ auf den Oberarm tattowiert, um mich unter anderem immer wieder daran zu erinnern, dass ich den Mut habe, mein Leben in die Hand zunehmen und dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst, sondern der Triumpfh über sie bedeutet. Falls euch diese Variante doch zu radikal ist und weil so ein bisschen Tinte auch nicht immer hilft habe ich für euch noch ein paar andere Varianten, wie ihr eure Comfort Zone übertreten und erweitern könnt…

  • Bucket List

Der Moment für eure verrückten Träume, eure wildesten Ideen und romantischsten Fantasien ist gekommen: sie alle finden Platz auf deiner Bucket List. Ob im Kalender, Tagebuch oder an der Wand, sie ist die perfekte Erinnerung an all die Abenteuer die es noch zu erleben gibt und motiviert dazu, die Comfort Zone zu verlassen, um die Dinge alle abhaken zu können!

  • Worst Case

Was wäre das schlimmste, was passieren könnte? Das aller aller furchtbarste, das dadurch ausgelöst werden könnte, dass man seine Comfort Zone verlässt und etwas tut, das man sich vorgenommen hat, etwas, wovor man Angst hat. (Okay, alle Gewaltgedanken einmal außen vor gelassen). Meistens stellt sich beim erstellen eines Worst-Case-Szenarios heraus, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Was soll schon groß passieren?

  •  Best Case

Genauso kann man sich motivieren, indem man ein Best-Case-Szenario durchspielt: was wäre das Beste, das passieren kann? So kommen motivierende Gedanken und Glücksgefühle auf!

Comfort Zones arbeiten mit Angst

Zurück zu dem Abend der Party, meinem Gespräch, der Frage: Ist eine kleine Komfort Zone nur schlecht für uns selbst? Oder tangiert das auch andere, beeinflusst es auch andere, wenn wir selbst in einer kleinen Comfort Zone leben? Meine Antwort habe ich recht schnell gefunden. Ja. Ja, es ist nicht nur für uns belastend, wenn wir kleine, immer kleiner werdende Comfort Zonen zu unserem zu Hause machen. Zum einen belastet es unsere Freunde, unsere Familien, die Menschen, die sich um uns sorgen und für uns da sind. Denn auch sie laufen Gefahr, auf Dauer aus den Comfort Zonen zu verschwinden und wenn wir nicht bereit sind, die Zonen zu verlassen, können wir sie auch nicht dahin zurück holen. Außerdem bergen kleine Comfort Zonen auch ein gesellschaftliches Problem: sie erzeugen Angst. Je mehr wir uns zurück ziehen, desto größer wird die Angst vor der großen, weiten Welt da draußen. Und da die große weite Welt nicht immer darauf wartet, dass wir zu ihr kommen, sondern sie auch mal vor unserer Tür steht und „Hallo hier bin ich“ ruft, können wir uns diese Angst nicht erlauben.

So winkt auch mir die Welt gerade freudig grinsend zu und reisst mich in ihre Abenteuer: mir stehen drei Monate, ganze zwölf Wochen in den USA bevor. New York und der wilde Westen werden mir hoffentlich Abenteuer bescheren, die ich mir noch nicht erträumen kann. Natürlich bin ich nervös. Natürlich habe ich Angst. Natürlich würde ein Teil von mir es sich gerne irgendwo, wo ich es kenne bequem machen und die Seele baumeln lassen. Aber dafür habe ich mir nicht meinen Mut in den Oberarm stechen lassen…

 

 

2 Comments

  1. Pingback: Goodbyes and New Beginnings ⋆ simpletwentysomething

  2. Liebe Tori,
    toller Beitrag! Ich fand es besonders motivierend zu hören, wie du mit deiner Komfort Zone umgehst und versuchst, heraus zu kommen. Die wenigsten tun das überhaupt, und mir fällt es auch nicht immer leicht… Hut ab vor deinem Mut! Ich glaube, von allein tun wir das nur, wenn es uns wirklich schlecht im Leben geht… Liebe Grüße!

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