Diesen Text habe ich vor einem Jahr schon einmal auf meinem damaligen Blog geteilt. Weil er nicht an Aktualität verloren hat und ich ihn nicht nur schön (hihi Eigenlob), sondern auch wichtig finde, schenke ich ihn euch diesen Valentinstag einfach noch einmal!

Ja, schon klar. Der Valentinstag ist eine Erfindung der Floristikindustrie und der Pralinenhersteller, um uns allen das Geld aus der Tasche zu ziehen. So what? Wir müssen ja nicht mitmachen! Aber irgendwie schon ein bisschen, finde ich…

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Beim Thema Valentinstag, aber auch Mutter-, Vater oder sonstiger-Besonderheiten-Tag wird mir oft entgegengeworfen, dass man seinen Liebsten, Mutter, oder Vater doch jeden Tag lieben solle und man dafür keinen besonderen Tag brauche. Ja. Ja, das stimmt! Und auch ich habe heute nichts außergewöhnliches mit meinem Freund unternommen. Statt zu seinem vorgeschlagenen Date zuzusagen, habe ich meine Freunde zusammengetrommelt und einen Tisch zum Brunchen reserviert. Es stimmt, wir brauchen keinen Valentinstag, um uns Blumen und Schokolade zu schenken. Wir brauchen ihn auch nicht, um uns ganz besonders lieb zu haben. Wenn ich jemanden heute mehr liebe als sonst, dann mache ich irgendetwas gewaltig falsch. Klar, wir können uns jeden Tag im Jahr Schokolade schenken und mit Liebeserklärungen um uns werfen. Aber let’s be honest – wir tun es nicht. Oder viel zu selten.

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Daher finde ich es schön und vor allem wichtig, einen Tag zu haben, an dem wir erinnert werden, an das wunderschöne Geschenk, dass wir Liebe nennen. Nicht nur die Liebe zum Partner. Die zu unseren Freunden. Unserer Familie. Meinetwegen Haustieren. Und uns selbst.

Wie ihr spätestens den GIFs entnehmen könnt, liebe ich – Klischeegemäß – Sex and the City und bin auch peinlich stolz darauf, schon das ein oder andere Mal mit Carrie verglichen worden zu sein. Was mich allerdings bei Zeiten ungeheuer an den Mädels in meiner liebsten Stadt gereizt hat: es geht immer nur um Männer! Gut, sonst wäre ja auch der Sinn verfehlt. Doch es wird mir und all meinen Leidensgenossinnen doch Eines am stärksten vermittelt:

Du kannst so viele Schuhe haben wie du willst – am Ende des Tages geht es doch nur darum, deinen Traummann zu finden!

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Und das finde ich falsch. Wie oft dachte ich mir schon (früher, als ich noch jung und dumm und unerfahren war, hihi): „Oh, wenn ich nur einen Freund hätte, dann wäre ich endlich glücklich.“ oder „Wie soll ich mich lieben, wenn es auch kein anderer kann?“ Nach außen hin war ich immer meistens selbstbewusst, schlagfertig und voll im Reinen mit meinem leichten Dachschaden. Und als ich mir mit meiner aufgeschlossenen, quirligen Art tatsächlich mal ein Kerlchen angelacht hatte, durfte der dann meine verletzliche, unsichere Seite kennenlernen. Bis ich mir eines Tages von meinem „Freund“ vorwerfen lassen durfte, dass ich nicht das Mädchen sei, in das er sich verliebt hätte. So verletzlich und so unsicher. Er hätte mich toll gefunden, weil ich so selbstbewusst und unkompliziert war und nicht so, wie ich dann eben war. Toll. Das fand mein Teenager-Herzchen natürlich wahnsinnig reizend. Die „echte Vic“ ist nicht liebenswert.

Falsch.

Meine beste Freundin und ich haben uns den Begriff „Marzipanherzen“ angeeignet – da beißt vielleicht mal einer ein Stück ab, aber dann wird das Herz halt einfach mal neu geformt. Oder mit Schokolade aufgefüllt. Yum! Soll heißen: Ich habe gemerkt, dass ich sehr wohl liebenswert bin, aber vor allem dann, wenn ich mich selber liebe. Im nachhinein betrachtet weiß ich auch, dass der Kerl damals sowieso von hinten bis vorne eher suboptimal (pour moi) war. Aber klar, ich war nicht die, die er erwartet hatte. Ich dachte, dass wäre voll okay so. Aber im Grunde hab ich das gemacht, was so viele andere Mädels auch machen, weil sie denken, es zu müssen: ich habe mich verstellt, um zu gefallen. Nur, dass ich verstellt hätte bleiben müssen, das hat mir keiner gesagt. Und das hätte ich auch irgendwie echt total blöd gefunden.

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Trotzdem kann ich von mir behaupten, mein selbstbewusstes Ich nie abgelegt zu haben. Ich habe es nur hin und wieder aus den Augen verloren. So stand in der Abizeitung auf meiner Seite der Kommentar: „Denkst manchmal, Du bist die Coolste auf der Welt.“ Ja, manchmal bin ich vielleicht auch gerade mal spontan die Coolste auf der Welt. Aber ich habe auch gelernt, durchsichtiger zu werden. Bin auch von innen stark geworden, das Selbstbewusstsein ist – meistens – keine Fassade mehr.

Im Zeitalter der Selbstoptimierung habe auch ich mich wieder verloren. Diesmal: „Wenn ich die-und-die Kleidergröße habe und so-und-so viel wiege, dann fühle ich mich endlich wieder wohl!“ Bullshit. Je dünner ich geworden bin, desto mehr Fehler habe ich an mir entdeckt. Und es ging noch weiter. Je mehr ich abgenommen habe, desto weniger Kerle habe ich an mich ran gelassen. Mein Selbstbewusstsien hat sich zusammen mit meiner Körpermasse verflüchtigt. Sich selbst okay zu finden, wie man ist – sich darüber hinaus auch noch zu lieben – ist schwer. Vor allem in einer Zeit in der wir jeden Schritt zählen, jede Kalorie messen und mit jedem Workout prahlen können. Und wie ich aus dem Teufelskreis rausgekommen bin, ist einen ganz eigenen Post wert. Heute bin ich an den meisten Tagen glücklich mit mir, wie ich bin. Selbstbewusstsein kommt nicht mit der 34 auf dem Label. Aber es verschwindet, wenn es mal keine ist. Das müssen die Meisten aber selbst lernen.

Wir können nicht jeden Tag des Jahres und twentyfourseven vor Selbstbewusstsein und Liebe zu unseren schrägen Persönlichkeiten, Körpern und Macken protzen. Es ist normal, sich mal unwohl zu fühlen, Zweifel zu haben und den Boden unter den Füßen zu verlieren. Doch am Ende des Tages sind wir es, die mit uns selbst klar kommen müssen. Vor allen anderen Menschen und Dingen und Problemen können wir über kurz oder lang wegrennen. Aber wir bleiben bei uns, also sollten wir da doch das Beste draus machen uns lernen, mit uns zu leben, uns selbst zu lieben. Oder?

Long story short: Kommerzieller Nutzen des Valentinstages schön und gut. Aber es ist doch wichtig einen Tag zu haben, an dem wir daran erinnert werden, dankbar zu sein. Dankbar für die, die wir lieben. Für die, die uns lieben. Dafür, dass es Liebe gibt, in unserem Leben, in dieser verrückten Welt. Und vielleicht auch daran, uns selbst ein bisschen mehr zu lieben…

In diesem Sinne, mit extra viel Liebe und Glitzer!

4 Comments

  1. Oh wow Tori, was für ein schöner und auch ehrlicher Text! 🙂
    Ich bin total begeistert von deinem Schreibstil und stimme dir bei der Bedeutung von Valentinstag zu. Ich finde es einfach schon an diesem Tag etwas zu unternehmen und sich mit dem Thema zu beschäftigen. Man muss ja nicht übertreiben, aber wen machen Blumen oder kleine Gesten nicht glücklich?!:)

    Alles liebe,
    Lara

    http://Www.lara-ira.de

  2. Ganz toller Post Tori! Der spiegelt wieder, wie es uns allen geht. Nicht jeder braucht einen besonderen Tag, um daran erinnert zu werden, dass er an seine Liebsten denken muss aber simma uns ehrlich schaden tuts nicht wirklich. Denn da kann man sich wenigstens fix einplanen etwas mit seinen Liebsten zu unternehmen, wenn einen sonst der Alltag zerfrisst.
    Was den Konsum angeht bin ich hier eher frustriert weil die Preise immer so in die Höhe schellen, als wäre dies der Weltuntergang und das muss echt nicht sein. Mann Mann hat mir bereits am Wochenende Rosen geschenkt die auch eine beachtliche Summe gekostet haben nur um nächsten Tag feststellen zu müssen, dass sie eingehen!
    Liebe Tori ich wünsche dir einen schönen Valentinstag egal wie du feierst od auch nicht feierst!
    Glg Karo

    Https//kardiaserena.at

  3. Ein ganz toller Text liebes und ich freue mich wieder von Dir zu lesen.
    Ichh bin auch ein mensch der schnell befgriffen hat das man sich selbst lieben muss um in der welt zu überleben.
    tut man dies nicht geht man schnell unter – und hierzu gehört selbstbewusstsein und davon benötigen wir frauen in der welt eine sehr grosse portion. je mehr wir im berufsleben fuss fassen desto mehr benötigen wir dies. klingt oder sieht fürmanche arrogant aus – ist es aber nicht.
    daher finde ich deinen text absolut nachvollziehbar und sehr ehrlich – bin da ganz bei dir.

    liebste grüße
    Caroline | http://www.modesalat.com

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