Ich bezeichne mich selbst als Feministin. Ich arbeite für ein Frauenmagazin, das Emanzipation in den Mittelpunkt stellt. Ich kann keine „normale“ Frauenzeitschrift aufschlagen, ohne mich über sehr viele Punkte zu echauffieren. Bei Hausarbeiten und Projekten suche ich mir Themen wie die Historie der Frauenbewegung, die ultracoolen Riot Grrls oder die soziale Konstruiertheit von Monogamie. Ich sehe nicht ein, warum ich in irgendeiner Dimension meines Lebens zurückstecken sollte, weil ich eine Scheide habe. Weil Tampons mit 19% Mehrwertsteuer belegt sind, Kaviar mit 7%. Warum ich weniger Geld verdienen soll, weil mein Körper die Option hat, meinen Bauch zu dreifacher Größe anschwellen zu lassen. Einfach nein.

Gleichzeitig liebe ich die Farbe rosa und alles was glitzert. Ich gehe regelmäßig zum Waxing. Ich habe eine große MakeUp-Sammlung und verlasse das Haus selten ungeschminkt. Ich drücke mich über meinen Style aus und lasst mich bloß nicht von meiner Schuhsammlung anfangen! Ich lasse mich zum Essen einladen und mir die Tür aufhalten. Abseits kann ich zwar erklären, Fußball langweilt mich trotzdem. Ich lasse mir beim Tragen meiner Koffer helfen.

Für viele Menschen passen diese zwei „Persönlichkeiten“ nicht zusammen. Eine Feministin soll Männer hassen und die Weltherrschaft der Frauen an sich reißen wollen. Sie soll sich keine Gedanken um ihr Aussehen machen. Newsflash:

Aber was will ich jetzt eigentlich mit diesem Post von Euch?

Auch heute, angekommen im Jahr 2017 werde ich noch schräg angeguckt, wenn ich mich als Feministin „oute“. Warum? Weil doch schon alles gut ist! Weil wir den Feminismus nicht brauchen. Hä, wie jetzt? Diese Diskussionen sind endlos und endlos anstrengend. Denn: wenn ein Mensch eine Meinung hat, dann hält er (oder sie) sich normalerweise recht beharrlich an ihr fest. Und schlimmer: wenn ein Mensch etwas nicht sehen will, dann sieht er es auch nicht. Feministen wird daher häufig vorgeworfen, dass sie Probleme schaffen wo keine sind. Das ist falsch: durch die „Feministische Brille“ erkennt man Probleme, für die man vorher nicht sensibilisiert war. Was für Probleme das sind, habe ich diese Woche in einem Artikel bei Edition F begonnen zusammen zu fassen. Unter dem Titel Post-Feminismus? Oh nein, wir haben noch verdammt viel zu tun habe ich einen Teil meine Anliegen und Beweggründe dargelegt und im Schreibprozess gemerkt: Wenn ich mich nicht selber stoppe, dann finde ich so schnell auch kein Ende. Je mehr ich schrieb, desto mehr Perspektiven, Sichtweisen, Geschichten und tatsächliche Probleme eröffneten sich mir. In Deutschland und im Rest der Welt.

Die Reaktionen auf den Artikel waren fast durchgehend ermutigend und positiv. Einige bedankten sich sogar. Nur einer bezichtigte mich, oder den Feminismus, einer „großen Lüge“. Aber auch das stachelte mich an, mich jetzt hier hinzusetzen und eine neue Kategorie bei Simpletwentysomething einzuführen: GRL PWR.

Hier möchte ich alles, was mir zum Thema Gleichbereichtigung durch den Kopf geht fest halten. Erlebnisse sammeln. Inspiration teilen. Geschichten erzählen. Damit vielleicht sogar meine Eltern irgendwann verstehen, weswegen mir dieses Thema so sehr am Herzen liegt.

Das klingt gut? Dann erzählt mir doch in den Kommentaren, was ihr gerne lesen wollt. Oder wollt ihr selber Dampf ablassen? Dann schreibt mir ne Mail! Ich bin voller Vorfreude auf diese Kategorie und hoffe, dass es euch ähnlich geht 🙂

Mit viel Liebe, Glitzer und Girl Power!

7 Comments

  1. Ich musste kurz lächeln, aber je mehr man sich damit beschägtigt, desto mehr könnte man sich über so viele Dinge aufregen, für die man sonst nur belächelt wird oder mit den Worten: man kann sich auch über alles aufregen (meist aus Männermunde) eine zickige Rückmeldung erhält. Ich selbst würde mich nie als Feministin bezeichnen, aber ab und zu reicht es mir auch.
    Ich freue mich total auf weitere Beiträge zu den Thema.

    Ganz liebe Grüße

    Jule

    http://inspojules.blogspot.de

    • Ja! das Schlimme ist, dass diese veralteten Standards weniger in den Strukturen und Regeln direkt und offensichtlich erkennbar sind, sondern dass es in unseren Köpfen verankert ist und wir viele Dinge als normal abtun und nicht hinterfragen… 🙂

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