Juhu, mal wieder ein Begriff, der im Englischen einfach besser klingt als im Deutschen. Wobei Intersektionaler Feminismus auch nicht soo unsexy ist, oder? Aber die meisten von euch können wahrscheinlich weder auf Deutsch noch auf Englisch viel anfangen. Dafür habe ich mir den Fact Friday ausgedacht. Ich möchte (wahrscheinlich eher unregelmäßig) Freitags ein kleines Learning mit euch teilen. Wichtige Begriffe und Fakten, die ihr in die Welt tragen, mit denen ihr angeben, über die ihr Schmunzeln oder für euch behalten dürft.

Heute also Intersektionalität. Der Begriff gehört zu diesen spannenden Worten bei denen man sich schlau fühlt, wenn man sie benutzt. Er gehört außerdem zu den Begriffen, die meine Auffassung von Feminismus stark beeinfliussen. Die Google-Suchen nach dem Begriff Intersectional Feminism“ haben sich  seit dem Wochenende folgendermaßen verhalten:

Der perfekte Zeitpunkt also für ein bisschen Aufklärung. Wenn ihr euch also fragt, was intersektionaler Feminismus ist, warum die Leute darüber reden und was in aller Welt das mit euch zu tun hat, seid ihr hier genau richtig. (Und auch wenn ihr euch das nicht fragt, dürft ihr gerne weiter lesen!)

Der Begriff stammt aus den 1980ern, genauer 1989, als die schwarze amerikanische Aktivistin Kimberlé Williams Crenshaw ihn in ihrem Essay „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics.” benutzte. Hier nennt sie eine Straßenkreuzung als Beispiel für Identität: Wenn hier ein Unfall geschieht, dann kann man nicht sicher sein, von welcher Straße er kam. Auf die gleiche Art und Weise befindet sich eine schwarze Frau in einer „Kreuzung“, wenn ihre Rechte verletzt wurden. Denn die Verletzung könnten von Geschlechterdiskriminierung oder Rassendiskriminierung kommen.

Das bedeutet, dass man sich – also ich mich – als intersektionale Feministin (oh wie mich Gendern nervt!) nicht ausschließlich für Geschlechterfragen, die Frauen betreffen einsetze. Während der Begriff der Intersektionalität sich ursprünglich nur auf Rassendiskriminierung bezog, hat er sich inzwischen dazu entwickelt, der LGBTQ-Rechte, die Diskriminierung von Behinderten und andere Anliegen, die die Gleichberechtigung aller Menschen untergräbt, mit einzubeziehen. Die Grundidee ist, dass alle Systeme der Unterdrückung sich irgendwo kreuzen – um also ein Problem als ganzes wahrzunehmen, müssen wir alle dazugehörigen Teile mit einbeziehen.

Ich vermute, dass das krasse Wachstum der Google-Nachfragen mit dem Women’s March vergangenes Wochenende zusammenhängt. Denn im Nachgang dieses einmaligen Events haben viele, vor allem schwarze Frauen, sich gegen „White Feminists“ ausgesprochen. Also weiße Feministinnen, die sich für kleinere feministische Themen wie Nippel-Freiheit einsetzen und die großen Probleme, die vor nicht-weiße Frauen betreffen, links liegen lassen. Es ist ein schweres Thema und ich hoffe, dass die Vorwürfe mich nicht betreffen werden – wenn doch, macht mich gerne darauf aufmerksam! Auch wenn der March am Wochenende nicht perfekt war – weil das wahrscheinlich gar nicht so richtig geht – wurde er von vielen Seiten für seine Intersektionalität gelobt. Dafür, dass er nicht nur Frauenrechte, sondern auch „racial profiling“ der Polizei, Diskriminierung der LGBTQ-Gemeinschaft und die Reformation der Immigrationsgesetze thematisierte.

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, wie ihr Intersektionalität in euren Handlungen und eurem Alltag angehen könnt. Ich habe es mich auf jeden Fall gefragt und war sehr dankbar für die Leitlinien die ich auf Bustle gefunden habe! here we go:

1. Respektiere andere Kulturen

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Eine endlose feministische Debatte ist zum Beispiel die über Kopftücher. Sind sie nun ein Symbol der Unterdrückung oder nicht? Als nicht-muslimisches Mädchen, das sich mit der Kultur nur wenig auskennt ist es nicht an mir, ein Urteil zu fällen. Viele Menschen, nicht nur Feministen haben eine Meinung zu dem Thema, ohne zu wissen, was muslimische Frauen eigentlich dazu sagen oder warum sie sich dafür entscheiden. Es ist okay kulturelle oder religiöse Praktiken zu kritisieren, aber diese Kritik sollte eher von Menschen kommen, die Teil dieser Kultur sind statt von Außenstehenden, die sich nicht auskennen.

2. Unterstütze alle Bewegungen für Gleichberechtigung

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Nach dem Wochenende haben viele Leute ihre Frustration zum Ausdruck gebracht, dass es die Bedrohung der Leben weißer Frauen brauchte, um Amerikaner und menschen weltweit auf die Straßen zu bringen. Weiße Feministinnen hätten etwa bereits „Black Lives Matter“ unterstützen sollen. Hier sind wir wieder beim Vorwurf des „White Feminism“. Um diesem Vorwurf zu entgehen, sollten wir uns also nicht nur für unsere eigenen Probleme interessieren und einsetzen!

3. Sei Inklusiv

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Ich falle wohl in jede Kategorie der priviligierten, weißen Feministin: ich bin weiß, im Moment sogar blond, bin cisgender und (fast sicher) heterosexuell. Ich habe keine Behinderung (außer einer gebrochenen Rippe, aber die behindert mich nicht) und auch sonst einen recht normalen Körperbau. Außerdem komme ich aus einem Akademiker-Haushalt und gehe auf eine Privatuni – na toll! Diese Umstände können schnell dazu führen, dass jemand wie ich andere Gruppen, wenn auch unterbewusst, ausschließt und diskriminiert. Sei es durch Handlungen oder auch nur Sprache. Es scheint  ein gefährliches Terrain zu sein, auf dem ich mich da bewege! Wie wir Fettnäpfchen und ungewollte Diskriminierung umgehen und die verschiedenen Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen besser verstehen können? verrät bustle auch. So können wir uns etwa mit feministischer Lektüre diverser Gruppen auseinandersetzen, Feministen aller möglichen Identitäten auf sozialen Medien folgen und uns durch Reden von intersektionellen Feministen anschauen.

Ich hoffe euch hat mein Beitrag gefallen, ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare und Anregungen. Jetzt erstmal ein schönes Wochenende!

Mit viel Liebe, Glitzer und Grl Pwr (intersektional natürlich)

3 Comments

  1. Wow Tori, ein super ausführlicher und persönlicher Blogpost! Finde ich richtig toll und irgendwie hatte ich trotz dieses Themas viel Spaß beim lesen – liegt wohl an deinem tollen Schreibstil! Lese deine Blogpost wirklich super super gerne, großes Kompliment an dich. 🙂

    Alles liebe und starte gut in die neue Woche ,
    Lara.

    http://Www.lara-ira.de

  2. Ich muss gestehen Tori echt spannender Blogpost und ich finde es klasse, dass du dich mit solchen Themen beschäftigst und diese auch versuchst an deine Leserschaft näher zu bringen. Ich finds gut, dass du dich mit diesem Thema identifizieren kannst und dahinter stehst, denn heutzutage spielt das eine große Rolle. Und wie du so schön geschrieben hast: Respektiere andere Kultur – das bedeutet man muss auch das respektieren, wofür sich die Leute einsetzen möchten 🙂
    Hut ab und alles Liebe aus Wien,
    Karolina

    https://kardiaserena.at

  3. It’s really a cool and useful piece of information. I’m satisfied that you just shared this helpful info with us.
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